Mein Leben bitte einmal „to go“!

Mein Leben … bitte einmal to go!
Ich packe in mein Smartphone ... mein Haus, meinen Hund und mein Leben!

Ist Ihr Leben schon “to go”, also zum Mitnehmen und von überall verfügbar? Heute möchte ich Ihnen gern über das Leben to go erzählen und über das “everything, everywhere”. Dank der dahinter stehenden großen Power von Serverlandschaften, Massenspeicher und Cloud-Technologien, ist dies auch möglich. Körper- und objektbezogene Steuerung heißt das Zauberwort hierbei.

In spielerisch gestalteten Apps oder Websites, über Smartphone und Tablet erreichbar, macht das liebevoll verpackte Leben to go auch Spaß.

Was heißt körper- und objektbezogene Steuerung?

Der Begriff beschreibt den Informationsaustausch zwischen Maschine und Maschine (M2M) aber auch zwischen Mensch und Maschine bzw. Endgerät, wie einem Smartphone. Die Verbindung zwischen Mensch, Objekt und Endgerät möchte ich in diesem Artikel genauer beschreiben. Denn es geht dabei um weit mehr als den Informationsaustausch zwischen den Beteiligten.

Zum Verständnis, folgende Aussagen zur körper- und objektbezogene Steuerung lassen sich ziehen:

  • Das, was in der realen Welt für uns starr verortet und unverrückbar ist…

… wird transportabel, flexibel und in andere Lebensbereiche und Welten mitgenommen.

  • Das, was für uns stumm, unverständlich oder intransparent war …

… bekommt eine Sprache, ein Gesicht, eine Haptik und wird für uns verständlich.

  • Einseitige und kurzweilige Kommunikation der Geräte mit uns …

… wird zu einem gleichwertigen Dialog mit allen Beteiligten.

Die körper- und objektbezogene Steuerung soll also unsere Bedürfnisse nach Bequemlichkeit, Komfort, Kontrolle, Sicherheit und Transparenz stillen. Dies geschieht durch die Dialoggestaltung zwischen Mensch, Objekt und Maschine.

Wie sieht sowas im Alltag aus?

Ich kann beispielsweise …

… meine eigene Gesundheit (z. B. Diabetes) kontrollieren und mir von der App in einer für Laien verständlichen Sprache übersetzt lassen. Bei Gefahr oder Unregelmäßigkeiten können die Daten auch von meinem behandelten Arzt gelesen werden. Dieser kann sofort weitere Maßnahmen ableiten und mir über die App mitteilen, was ich zu machen habe (z. B. DiabetesPlus für Typ 2-Diabetiker).

… den Energieverbrauch meines Hauses von überall steuern und kontrollieren. Sollten auch hierbei Unregelmäßigkeiten entstehen oder außergewöhnliche Wetterverhältnisse erscheinen, kann ich schnell reagieren. Hierfür verwende ich mein Tablett und tippe einfach die entsprechenden Buttons auf dem Webinterface an, um den Befehl auszulösen (z. B. Qivicon).

… die Futterportionen meines Hundes, wenn ich mal wieder länger Abends im Büro bin, einstellen. Hier kann ich über die App den Fütterungsautomaten ansteuern, damit dieser eine hundgerechte Portion Pansen mit Haferflocken in den Napf gibt. Außerdem berechnet der Futterautomat, wie viel mein Hund gerade gegessen hat und sendet mit die Zahl über die App (gibt es auch schon z. B. von Pintofeed).

… den nächsten Wartungstermin meines Autos automatisiert berechnen lassen. Zusätzlich wird mir eine Werkstatt in meiner Umgebung als Empfehlung ausgegeben und auf Klick von mir auf das Display im Auto wird ein Termin vereinbart. Ein automatischer Abgleich meines Online-Terminkalenders mit dem der Werkstatt ist im Hintergrund erfolgt (siehe hierzu z. B. Connected Car).

Das klingt alles sehr komfortabel, über bestimmte Aspekte informiert zu werden und wenn Prozesse im Hintergrund automatisch angestoßen werden.

Datenklau – Au!

Datenklau - Au!

Kleine Wortspielerei, die aber passt. In Datenklau steckt der schmerzvolle Ausruf “Au”.  Kommen wir nun zu einem unbequemen Thema. Sollte das digitale Ich geklaut werden, wissen wir schon heute, das wird besonders schmerzhaft und geht über die Weitergabe der eigenen Adresse und Bankverbindung deutlich hinaus. Die Daten bei den körper- und objektbezogene Apps und Webdienste sind verhaltensbezogen und geben u. a. Befindlichkeiten, Vorlieben und Denkweisen wieder. Mit steigender Vernetztheit der Objekte unseres Alltags wird ein Datenklau für unser reales Leben somit invasiver werden.

Mir wird schwindelig bei der Vorstellung, wer alles was mit wem kommunizieren und schräge Dinge aus den Daten ableiten könnte, die man selber nicht weiß! Vielleicht werden dabei auch Begebenheiten, die liebevoll und menschlich sehr schön sind, durch automatische Kombination und nüchterne Datenverarbeitungsketten der technischen Systeme negativ interpretiert, da sie unter einem Schwellenwert fallen. Alles ist möglich.

Quick-out

Denken wir aber an dieser Stelle noch nicht mal an das Schlimmste, sondern an etwas alltägliches, wie z. B. an einen virtuellen Umzug oder Anbieterwechsel. Auch das gestaltet sich heutzutage schon schwer. Ein legendäres Beispiel hierfür ist der Umzug zwischen Social Media Plattformen, wie von Facebook nach Google Plus. Viele hatten angedroht zu Google Plus zu gehen. Es gab in einigen Facebook Profilen das Bildchen “Gone to Google+”. Letztlich sind sie doch wieder zu Facebook zurück gekommen oder waren nie wirklich weg. Bilder umziehen geht schnell. Die zu einem Bild gehörigen Verbindungen, Kommentare und Likes werden wie mit genommen?

Zu einem kompletten virtuellen Umzug gehört weit mehr, als er es in der realen Welt bedeutet. Die virtuelle Welt verknüpft sich stärker, sitzt tiefer und ist dynamischer. Selbst ein nur teilweiser Ausstieg aus einem Bereich, ist nicht so einfach möglich. Ein Beispiel hierzu, wenn ich Teile meines virtuellen Ichs verkaufen möchte, wie mein Haus oder mein Auto, was passiert dann mit meinen Daten in diesem Objekt?

Es gibt dato noch keine Quick-out Option für das virtuelle Ich. Falls Sie den Begriff nicht kennen: Damals gab es die Möglichkeit mit einem Bügel das Autoradio sehr bequem aus der Armartur herauszuziehen und aus dem Auto mitzunehmen, damit es nicht geklaut wird. So etwas müsste es auch virtuell geben, um mein digitales Ich sekundenschnell in Sicherheit zu bringen, um zu einem andern Anbieter zu wechseln oder falls ich Objekte verkaufe.

Worauf ich hinaus will …

Sollte mein Smartphone mal geklaut oder mein Passwort geknackt werden, möchte ich nicht, dass z. B. mein Hund totgefüttert wird, die Heizungen in meinem Haus im Winter abgestellt werden oder mein Arzt die Nachricht bekommt, ich bin an einem Zuckerschock gestorben!

Also, ihr lieben Innovatoren und Daniel Düsentriebs, denkt ihr bitte rechtzeitig daran, eine sichere und einfache Quick-out Funktion für unser virtuelles Ich mit einzubauen?

Aber auch eine Quick-in Funktion, die unser virtuelles Ich einfach und ohne Gefummel wieder rekonstruieren kann, mit allen Verknüpfungen und Beziehungen in der virtuellen und auch realen Welt?

Virtuelles Totfüttern

2 Kommentare zu Mein Leben bitte einmal „to go“!

  1. Ja, die Welt ist verrückt, auf dem ersten Blick sind viele neuen Features echt praktisch und erst auf dem zweiten Blick können Sie Probleme verursachen.
    Als das Smartphone von meinem Mann weg war, waren alle Kontakte/ Geburtstage seiner Kollegen/ Freunde weg. KATASTROPHE. Wenn früher das Notizbuch weg war, war es nicht so schlimm, aber heute. Deshalb bin ich mir sicher, dass diese vielen Funktionen das Leben zwar erleichtern können aber die Seele belasten.

  2. …ganz zu schweigen von den vielleicht vielen persönlichen (freizügigen) Erinnerungsfotos, die auf dem Smartphone lokal gespeichert waren und den Apps bei denen man natürlich immer eingeloggt ist 😉

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