Die Suche als Verführerin

Suchen im Web gibt es für viele Zwecke mit unterschiedlichem Fokus für verschiedene Inhalte und sie sind meist in einem Kontext eingebunden, z. B. Produktsuchen in einem Shoppingportal, Artikelsuche in einer Online-Zeitung, Personensuche in Verzeichnissen. Es gibt auch Dienste im Web, die nur auf einer Suche basieren, das beste Beispiel hierfür ist Youtube.

Gemäß in der realen Welt, gibt es auch in der virtuellen Welt neben einem Discounter auch eine Shopping-Erlebniswelt. Nehmen wir bei diesen doch mal die Suchen unter die Lupe.

Eine Frage, die in der Praxis immer wieder auftaucht ist, gibt es neben der faktenbasierten auch eine emotionale Anreicherung der Suche – unabhängig vom Design?

Damit ist gemeint, gibt es eine Möglichkeit eine Suche so zu gestalten, dass sie „mehr ist“ als eine reine Suche als Ergebnislieferant von Fakten und „mehr bietet“ als einen Weg um Inhalte aus einem großen Portal aus dem Suchprozess heraus zu entdecken?

Kann sie z.B. die Nutzer nachhaltig zum Blättern und Stöbern anregen, sogar dahingehend, dass die Nutzer extra wegen dieser Funktion ein Portal oder Shop benutzen?

Ja, eine Suche kann das!

Eine Suche ist inzwischen weit mehr als eine Suche! Sie muss auch mehr sein und den Nutzern – genau wie in dem dazugehörigen Portal bzw. der Website – eine gezielte Auswahl an Hilfestellungen in Form von Funktionen bieten, die ein Entdecken der Inhalte und Zugreifen auf diese auf einfache und vielfältige Weise aus dem Suchprozess heraus ermöglichen. Besonders für die Bereiche Shopping, News und große Portale mit verschiedenen Inhalten stellt die Suche ein wichtiger Baustein dar. Shops wie z. B. Amazon oder auch iTunes zeigen wie es gehen kann.

Nutzerverhalten: suchen, stöbern, wiederfinden, verführen lassen

Bei amazon mit einer Suche nach einem bestimmten Krimi starten und sich spätestens bei dem Hinzufügen einer CD auf den Wunschzettel bewusst werden, dass man sich irgendwie hat verleiten lassen über die erste Ergebnisseite mal nach Links zu blicken, neues Suchwort einzugeben etc. Man hat sich verführen lassen!

Tätigkeiten innerhalb einer Suche, wie gezielt etwas suchen, eine Information wiederfinden, oder mal aus der Suche heraus zu stöbern anzufangen, sollten idealerweise durch verschiedene Funktionen auf der Suchergebnisseite unterstützt werden.

Solche Funktionen bieten unter anderen auch – je nach Ausmaß der Bedürfnisse des Nutzers – Orientierung und Führung innerhalb seiner Suche durch eindeutiges, vorgegebenes Vokabular, sie verschieben den Fokus auf das Ergebnisset oder erweitern ihn.

Insbesondere das Stöbern (Browsen) und Entdecken bzw. Versinken (Explorieren) stehen für das Bedürfnis nach einer gezielten Führung durch die Inhalte, zugleich möchte der Nutzer aber auch gezielt abgelenkt werden, um neue Inhalte entdecken zu können, sich inspirieren zu lassen.

Dies stelle per se eine Schwierigkeit dar: Der Nutzer soll das Ergebnis bekommen, was er sucht und darüber hinaus Anregungen und neue Informationen, die er bei einer Standardergebnisliste nicht bekommen hätte. Andererseits soll die Ergebnisseite nicht zu viel mit Zusatzinformationen zugepflastert sein, weil sie dadurch übersichtlich und der werbliche Charakter stärker wird.

Unterstützende Funktionen

Für Produktsuchen sind Funktionen, die dem Nutzer einen neuen oder anderen Blick auf die Produkte des Warenhauses liefern und zum Browsen und Explorieren anregen, inzwischen ein absolutes Muss! Teilweise sind aber auch hier noch schwer zu bedienende Fossilien anzutreffen, die sich vorbehalten nur eine Info zu liefern, aber kein umfangreicheres Shopping-Erlebnis. Online-Magazine und Zeitschriften ziehen inzwischen ihre Suchen nach. Die General Interest Portale haben diese Thematik bisher weniger in ihren Portalsuchen umgesetzt.

Dabei sind die Funktionen sind schon in vielfältiger Form vorhanden:

  • Kategorien inhaltlich passend zu einer Anfrage
  • Relevante Suchterme zu einer Anfrage
  • Filter zum Verfeinern
  • User Bewertungen
  • Tops und Flops zu Suchwörtern oder Kategorien
  • Suchhistorie
  • Was andere Nutzer passende dazu gesucht oder gekauft haben
  • etc..

Sie alle dienen dem primären Zweck, den Nutzer länger in einem Angebot bzw. im Flow zu halten; zu verführen sich mehr anzusehen und auch zu kaufen. Aber auch Funktionen wie Merkzettel oder Wunschliste sollten in dem Suchprozess verankert sein, da sie einen Nutzer auch aus der Suche heraus an das Web-Angebot binden und den Prozess vollenden.

Informationsdesign

Nicht nur Funktionen innerhalb einer Suche, sondern auch das Informationsdesign spielen eine wichtige Rolle, das zur Emotionalisierung der Suche beitragen kann. Das Informationsdesign beschreibt, welche Informationen wie angezeigt werden. Die Mirkoebene einer Suchergebnisseite beeinflusst wesentlich die Gesamtwahrnehmung eines Produktes.

Eine Suchergebnisseite soll Informationen zeigen, zugänglich machen, benennen und nicht verstecken. Es sei denn, sie tragen nicht wesentlich zur Entscheidung bei der Auswahl bei! Kompromisse müssen aber auch hier gefunden werden z. B. bei einer langen Produktbeschreibung.

In meinem kürzlich durchgeführten Usability-Test im Labor haben die Probanten sehr häufig erwähnt,  dass eine Suchergebnisseite viel interessanter und informativer ist, wenn zu einem Newsartikel auch ein passendes aussagekräftiges Bild angezeigt wird. Das Scannen der Seite wird zudem erleichtert. Ein ganz einfaches Beispiel, um eine Suchergebnisseite interessanter zu machen sind Bilder, sie geben Farbe und verursachen bei dem Betrachter Emotionen.

Genauso wie Vorschaufunktionen für Produkte oder Filme, sind Zusammenfassungen von Bewertungen in Form von Sternchen beliebt.  Kommentare geben einem Artikel oder Produkt schon auf der Suchergebnisseite eine emotionale Färbung und beziehen den Nutzer mit in das Geschehen rein. Interessant geschriebene Kommentare kitzeln gewissermaßen die Neugierde des Nutzers.

Innerhalb einer Suche sollte das Design dahingehend reduziert werden, dass die Informationen auf der Suchergebnisseite noch genügend Aussagekraft haben und nicht untergehen.

Trends

Die Integration einer sozialen Komponente (Bewertungsmöglichkeiten, Verknüpfung mit Social Media Platformen) und Echtzeitnachrichten (Twitter) innerhalb der Suchergebnisseiten ist nicht nur in Websuchen ein großer Trend. Die stärkste, kundenbindende Komponente ist die Möglichkeit der Personalisierung der Suche, wie z. B. Suchworte speichern.

Dahingehend ist es auch ein Trend, dass mit einem Suchergebnis schon viel vorab gemacht werden kann, ohne auf die Detailseite geklickt zu haben. Das ist schon dezent integriert innerhalb von Websuchen zu sehen und findet in Produktsuchen große Anwendung. Über diese kleinen Einbindungen wird der Nutzer wieder auf andere Funktionen und je nach dem auch dahinterstehende Produkte aufmerksam gemacht. Als einfachste Beispiele seien hier die Funktionen zu nennen, ein Ergebnis per Email versenden und ein Ergebnis in Facebook veröffentlichen.

Fazit

Die heutigen Suchen bedienen inzwischen eine Vielzahl an Nutzerbedürfnisse, vom schnellen, zielgenauen Suchen bis hin zum Stöbern in dem Angebot. Funktionen innerhalb der Suche geben dem Nutzer nicht nur wichtige Hilfe und Unterstützung, sondern auch vielfältige Ein- und Überblicke in die Inhalte einer Webseite.

Nicht nur über Funktionen, sondern auch das Informationsdesign wird der Grad der Emotionalisierung gesteuert. Deswegen gibt eine gute Kombination aus Funktionen und Informationsdesign in einer Suche den emotionalen Touch – genau so wie im Portal. Das i-Tüpfelchen stellt dann das Design der Suche dar.

Der Vorteil und das messbare Ziel aus einer emotionalisierten Suche sind, eine gesteigerte Nutzung innerhalb der Suche und mehr Kontakt des Nutzers mit Produkten oder Artikeln. Die Nutzer beschäftigen sich länger und mehr mit den Ergebnissen – was in der Websuche weniger gewünscht ist, wird hier zielgerecht unterstützt.

 

Siehe auch:

Search Patterns (Butterfly Book) von Peter Morville;
O’Reilly Media; Auflage 1 (17. Februar 2010)
-> Für Einsteiger und Fortgeschrittene. Es wird das Must-Have-Buch des Jahres 2010 zum Thema Suche. Mit Sicherheit werden viele Punkte daraus Anwendung in der Praxis finden.

1 Trackback / Pingback

  1. bing.com zeigt neue Ergebnismodule « Sonja Quirmbach

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