Studienprojekt: Lokale Suchmaschinen

Öffentlich diskutierte Ergebnisse zu Usability-Evaluierungen in Lokalen Suchen (Maps) sind bisher wenig bis gar nicht zu bekommen. Fokus der öffentlichen Diskussion liegt hauptsächlich auf technische Details zur Lokalisierung etc. , oder es ist ein reiner Vergleich der Features und Qualität der Indexe.

Ich benötigte für meine Arbeit jedoch eine detaillierte Aussage zur Usability und Utility Lokaler Suchmaschinen im Web. Antworten auf Fragen, wie z. B.  zum Verständnis des verwendeten Wordings (Maps, Lokale Suche, Verzeichnis etc.), doppelte Sucheingabefelder,  zu Interaktionselementen der Karte und Orientierungspunkte in der Karte.

So initiierte ich in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dirk Lewandowski, HAW Fachbereich Information, ein Semesterprojekt mit dem Thema Usability-Evaluierungen zu Lokalen Suchmaschinen.

Am Freitag war es dann endlich soweit! Dreizehn Studenten der HAW mit ihrem Dozenten sind zu mir nach Darmstadt in die T-Online-Alle angereist, um in einer länger als vier Stunden dauernden Abschlusspräsentation die Ergebnisse zum Studienprojekt vorzutragen.

Zur Studie

Thema:

Usability-Evaluierungen zur Lokalen Suche.

Untersuchungsdesign und Methoden:

Es handelt sich um eine Multimethodenstudie, deren Basis eine qualitative Untersuchung ist und um quantitative Untersuchungen ergänzt wurde.

  1. Im Labor wurden 64 Probanten (31w, 33m) unterschiedlicher Altersgruppe und unterschiedlichem Erfahrungsstand untersucht mittels:
    • Usability-Test
    • Think aloud
    • Interview
    • Bewertung mittels System Usability Scale (SUS)
    • Eye-Tracking mittels der Software Morae
  2. Ergänzend wurde eine Online-Umfrage auf suchen.t-online.de Maps durchgeführt (N=114).
  3. Sowie eine Logfile-Analyse der Suchanfragen unter suchen.t-online.de Maps.
  4. Feature Analyse von Konkurrenzprodukten aus den Bereichen Lokale Suchmaschinen und Branchenbüchern.

Untersuchungsgegenstand:

Ziele:

  • Identifizierung der Stärken und Schwächen von Usability und Utility der Lokalen Suchen/Maps.
  • Identifizierung grundlegender Interaktions- und Verhaltensmuster.
  • Grundlegendes Verständnis der Nutzer gegenüber Maps-Produkte.
  • Vergleich der Mitbewerber untereinander.

Die Resultate und Aufzeichnungen aus dem Eye-Tracking ergeben einen sehr wichtigen und umfassenden Einblick in die Welt der Nutzer und zeigen das Optimierungspotential auf – nicht nur für die Usability, sondern auch auf Seiten Index, Karten und Suchtechnologie.

Ein komprimiertes Beispiel zur Komplexität der Erwartungshaltung der Nutzer gegenüber der dargestellten Karte, z. B.

  • Eine Detailgenauigkeit in der Karte wird gewünscht und auch erwartet, aber es sollten nicht zu viele Informationen dabei angezeigt werden.
  • Der zum Suchergebnis dargestellte Kartenausschnitt sollte in der „richtigen“ Zoomstufe angezeigt werden. Die Rückmeldung der Nutzer war oftmals, die Karte sei entweder zu tief oder zu wenig gezoomt. Dadurch ist die Orientierung schwerer.

Die Begrenzung der Trefferdarstellung von jeweils nur 10 in der Karte wird von den meisten Nutzern nicht verstanden. Auch das Prinzip von Google , ist auf dem ersten Blick nicht verständlich und eher verwirrend.

  • Bei allen Anbietern kam bei den Probanten die Frage auf, warum nur 10 Treffer angezeigt werden und warum ausgerechnet diese Kombination?

Fazit

Die Studie belegt:

  1. In den Köpfen der Nutzer ist auf jeden Fall bereits das benötigte Wissen um die Benutzung interaktiver Karten vorhanden, diese verwenden sie auch schon in anderen Angeboten. Jedoch ist die Adaption dieses Wissen auf das Umfeld einer Lokalen Suchmaschine im Web noch ein Lernprozess.
  2. Wie in jeder Suchmaschine gilt auch hier, eine super Usability und ein tolles Design trägt nicht dazu bei, nachhaltig eine große Nutzung der Lokalen Suchmaschine zu bekommen, wenn die Suchanfrage keine passenden Resultate, auf Grund eines sehr kleinen oder qualitativ schlechten Indexes liefert! Die Toleranzgrenze der Nutzer diesbezüglich ist nur sehr gering.

Die Herausforderung Lokaler Schumaschinen ist, nicht nur eine gute Usability der interaktiven Karte zu gestalten, sondern auch eine gute und umfassende Indexqualität (im Sinne von Vollständigkeit) zu erreichen.  Die Indexqualität und -quantität trägt sehr stark zur Gesamtwahrnehmung einer Suche bei.

Insgesamt besteht noch viel Raum für Optimierungen bei allen drei untersuchten Anbietern, damit die Nutzung intuitiver wird.

Danksagung:

Ich bedanke mich, auch im Namen der DTAG, für die gute Zusammenarbeit und wünsche den beteiligten Studenten alles, alles Gute für ihr Studium und ihren beruflichen Weg. Mein Dank geht auch an Prof. Dr. Dirk Lewandowski, der ein super Team ausgewählt hatte.

Zum Schluss noch etwas für meine Kollegen von searchteq (suchen.de), golocal (Link) und DeTeMedien (DasÖrtliche, Gelbeseiten, Telefonbuch etc.), die extra zur Präsentation aus München und Frankfurt angereist kamen, ihr habt für die fast 1,5h noch etwas gut bei mir

Siehe auch:

4 Kommentare zu Studienprojekt: Lokale Suchmaschinen

  1. Hallo Sonja,
    die Anreise hat sich gelohnt und für die 1,5 Stunden finden wir schon noch eine nette Location 🙂
    Viele Grüße aus München
    Florian

  2. Danke für die gute Zusammenfassung, konnte leider nicht teilnehmen.

  3. Wow! So etwas hat man sich schon lange gewünscht! Kompliment!

  4. Sehr schöne Zusammenfassung. 🙂

1 Trackback / Pingback

  1. Vortrag: Lokale Suchmaschinen « Sonja Quirmbach

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