Goodbye Golden Triangle

Kürzlich brachte das Unternehmen usability.de eine Studie zur Universal Search heraus „Goodbye Golden Triangle“. Die Studie ist eine weitere Bestätigung dafür, dass das in der Literatur eingegangene Scan-Muster Names Golden Triangle bei den meisten Suchanfragen nicht mehr oder generell nicht herangezogen werden kann.

Wie in meinem Artikel zur Universal Search kurz beschrieben, wird das Scan-Muster immer von der zugrunde liegenden Intension des Nutzers beeinflusst. D. h. je nach Typ der Suchanfrage werden kürzer oder länger die Ergebnisse angesehen, sogar über mehrere Seiten geblättert. Ob der Nutzer das Ergebnis auch anklickt, ist nochmals eine andere Frage. Selbst die grundlegenden Gestaltungselemente einer Seite, wie Bilder, farblich abgesetzte Ergebnisse, oder größere Schriften durchbrechen das Klick-Verhalten der Nutzer auf einer Web-Suchergebnisseite nicht signifikant oder nachhaltig positiv.

Fallbeispiele anhand von Suchanfragetypen:

  • Sucht ein Nutzer nur nach einer URL (navigationsorientiert), wie http://www.wikipedia.de, so trifft das Golden Triangle zu. Denn in allen Fällen wird die URL an prominenter Position angezeigt.
  • Anders gestaltet sich das Scan-Verhalten, wenn ein Nutzer nach Informationen zu einem bestimmten Thema sucht, z. B. „Restschuldbefreiung Wohlverhaltensperiode“. Durchaus ein Thema bei dem es u. a. auch um viel Geld und die eigene Lebensgestaltung gehen kann und der Nutzer persönlich betroffen ist. Er wird deshalb nicht nur die Ergebnisliste der Suche von oben nach unten einzeln scannen, sondern auch blättern! Bei dieser Art Suche muss der Nutzer auch häufig zwischen Suchergebnisseite und Homepages hin und her klicken, um die Information zu bekommen. Es wird als Quelle nicht nur Wikipedia oder Homepages von Rechtsanwälten von der Web-Suchmaschine ausgegeben, sondern auch von F&A Portalen, Foren und Fallbeispiele uvm. . Die muss der Nutzer erstmal alle herausfiltern und nach Seriosität der Quelle und auch Fokus des Textes für sich sortieren. Alles Kriterien, die auf Ebene der Suchergebnisseite nicht erkennbar sind.
  • Bei Suchen nach Produkten wird eher ein F- oder E-Scannmuster sichtbar. Da bei transaktionsorientierten Suchen auch immer die URL mit zur Auswahl herangezogen wird, springen die Augen oftmals zwischen Titel und URL hin und her. Hier lassen die Scan-Pfade oftmals ein F- oder E-Muster erkennen.

Meine Erfahrung zeigt, dass die Art der Suchanfrage sehr stark das Scan-Muster beeinflusst. Erst darüber hinaus kommt die Frage der Universal Search. Sie bricht das Verhalten nur teilweise auf. Interessant ist der Aspekt, dass sie aber auch als Stopper fungieren kann, da manche Nutzer die Tendenz zeigen, nicht über integrierte Bilder, anders gestaltete Textblöcke oder Videos hinaus zu sehen. Sie hören einfach oberhalb, mit diesem Ergebnis, oder kurz unterhalb auf zu scannen! Es ist wie ein Signal, das besagt: Achtung, danach nur noch Schrott!

Eine Frage, die ich in Tests von Nutzern mitbekommen habe ist, warum wird bei der Web-Such in Google.de nach z. B. „Wasserhund“ die Bilder zuerst angezeigt, aber bei „Schildkröte“ erscheinen sie an 4. Position? Für viele Nutzer ist das Verhalten erstmal nicht nachvollziehbar. Die Relevanz der Universal Search Ergebnisse ist für Nutzer oftmals schwierig nachzuvollziehen, insbesondere bei Suchanfragen mit einem großen Begriffsumfang oder –inhalt. Es sind die Punkte Nachvollziehbarkeit und Relevanz der Ergebnisse.

Demgegenüber stehen die Clickmaps, die zeigen welches Ergebnis letztlich für den Nutzer relevant war. Da trifft allerdings noch das Golden Triangle zu. Die 1. Position auf der Suchergebnisseite ist eben der Hauptfokus und die Tendenz der Clicks nimmt nach unten mit Verlauf der Ergebnisliste sehr beachtlich ab.

Die Nutzer müssen sich erstmal an die Universal Search gewöhnen, die Algorithmen seitens Suchmaschinenanbieter verbessert werden, bevor auch die Clickmaps ein anderes Muster zeigen. Erst wenn sich die Clickmaps ändern, hat  sich der Nutzer an die Darstellung und das Verhalten der Suche gewöhnt und nimmt es an. Es ist noch ein langer Weg dorthin. Dahinter stehen die beim Nutzer identifizierte Suchverhalten und -prozesse wie Information Foraging, Berrypicking, Sens-Making etc. die auch eine Universal Search bedienen soll.

Darüber hinaus haben sich schon die SEO’s darauf gestürzt, ganz bewusst solche Universal Search Ansätze für ihre Zwecke zu benutzen. In den SEO-Konferenzen werden schon fleißig die Methoden und Tricks dazu diskutiert.

Lesenswert ist die Studie allemal. Jedoch fehlen mir bei den Unsiversal Search Diskussionen durchweg detailliertere Bertachtungen und Untersuchungen anhand der Suchanfragetypen und Nutzerintensionen.

Siehe auch:

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